Die SP/JUSO-Fraktion hat gemeinsam mit der Grünen/JG-Fraktion das Postulat «Alternatives Kulturhaus – Schaffung von unkommerziellem und niederschwellig zugänglichem Begegnungs- und Kulturraum in Luzern» eingereicht. Die Postulant*innen fordern den Stadtrat auf zu prüfen, wie die Stadt Luzern zentral gelegene Räumlichkeiten zur Verfügung stellen kann, welche frei zugänglich, unkommerziell, mietfrei und dauerhaft gesichert sind.
Die Stadt Luzern verfügt über ein vielfältiges Kulturleben, das wesentlich zur Attraktivität der Stadt beiträgt. Mit dem geplanten Neubau des Luzerner Theaters wird dieses Angebot weiter ausgebaut. Gleichzeitig fehlt jedoch ein frei zugänglicher, unkommerzieller und selbstbestimmter Raum für Begegnung und Austausch jenseits von Konsumzwang, normativen Erwartungen und institutionellen Vorgaben.
Ein solches Haus versteht sich nicht nur als Kulturort, sondern als sozialer und politischer Raum. Es bietet Infrastruktur für Menschen und Communities, die in der Stadt zu wenig Platz finden oder aktiv verdrängt werden – sei es aufgrund von ökonomischen Hürden, normativen Erwartungen oder struktureller Diskriminierung. Dazu gehören unter anderem queere Communities, FINTA*-Kollektive, migrantische Initiativen sowie weitere selbstorganisierte Gruppen, die eigene Räume benötigen, um sich zu vernetzen, zu organisieren und sichtbar zu sein.
Erfolgreiche Beispiele solcher Orte existieren bereits in anderen Städten, etwa das Spazio Elle in Locarno, der PROGR in Bern oder die Rote Fabrik in Zürich. Sie zeigen, dass selbstverwaltete und unkommerzielle Räume tragende Säulen eines lebendigen Zusammenlebens sind.
In Luzern hingegen sind in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche solcher Freiräume verschwunden – darunter das Kulturzentrum BOA, das Uferlos, die INDU, die Tamilenschule oder das Frigorex-Areal. Mit ihnen gingen wichtige Orte verloren, an denen niederschwellige Kultur, politische Auseinandersetzung und gemeinschaftliche Praxis möglich waren. Ein gleichwertiger, langfristig gesicherter Ersatz wurde bis heute nicht geschaffen.
Wir verstehen einen solchen Ort als notwendige Infrastruktur für eine vielfältige und solidarische Stadt – als bewussten Gegenpol zu Verdrängung, steigenden Mieten und der zunehmenden Kommerzialisierung von Freiräumen. Er schafft Raum für unterschiedliche Lebensrealitäten, kollektive Organisierung und gemeinschaftliche Praxis und wirkt damit aktiv gegen Ausschluss und Verdrängung. Damit ein solcher Ort langfristig bestehen und tatsächlich niederschwellig zugänglich sein kann, braucht es ein klares Bekenntnis der Stadt und konkrete strukturelle Unterstützung.
Die Postulant*innen bitten den Stadtrat deshalb zu prüfen, wie die Stadt Luzern zentral gelegene Räumlichkeiten zur Verfügung stellen kann, welche frei zugänglich, unkommerziell, mietfrei und dauerhaft gesichert sind. Zudem soll geprüft werden, wie diese Räumlichkeiten selbstverwaltet organisiert und nicht an kulturelle oder kommerzielle Vorgaben gebunden, sondern niederschwellig und flexibel nutzbar sein können; und wie die konkrete Ausgestaltung in enger Zusammenarbeit mit bestehenden Kollektiven, Initiativen und zivilgesellschaftlichen Gruppen erfolgen kann– mit dem Ziel, langfristige und bedarfsgerechte Strukturen zu schaffen.
Für Rückfragen:
Zoé Stehlin, Mitglied SP/JUSO-Fraktion, 078 815 19 97